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Die Villa Rosenthal in Jena

Die jahrzehntealte Verpflichtung den jüdischen Stiftern gegenüber hat sich im Herbst 2009 erfüllt: Die „Villa Rosenthal“ ist heute kulturelle Begegnungsstätte in Jena.

Clara Rosenthal - Rötelzeichnung, 45 x 48

Ende des 19. bis ins 20.Jahrhundert hinein lebte in Jena ein jüdisches Ehepaar, Clara und Eduard Rosenthal. Prof. Eduard Rosenthal war Jurist und ist Ahnherr der thüringischen Landesverfassung, er war Dekan der Uni Jena, wirkte in vielen kulturellen Bereichen, gründete den Leseverein, ist Mitgründer des Kunstvereins und führte zusammen mit seiner Frau Clara ein reges gesellschaftliches Leben in seiner Villa – im Grunde das, was wir unter einem Salon verstehen. Eduard Rosenthal starb schon in den Zwanzigern des 20. Jahrhunderts.

Die Rosenthals verloren ihren einzigen Sohn im 1. Weltkrieg und vermachten ihre Villa nach ihrem Tode der Stadt Jena. Auflage war, dass die Stadt sie für kulturelle Zwecke nutzen solle und der zuletzt noch Lebende bis zu seinem Tode dort leben dürfe.

Die Nazis isolierten Clara Rosenthal, sie durfte keine Zeitung mehr beziehen, musste ihr Radio abgeben, der Besuch kultureller Veranstaltungen war untersagt. Schließlich trieben die Nazis die weit über Siebzigjährige in den Freitod. Danach wurde die Villa Rosenthal weder zu Nazizeiten, noch in der DDR und auch nach der Wende nicht ihrer Bestimmung zugeführt. Die Stadt Jena gab die Villa in den 90er Jahren in die Hände der zweitgrößten Baugesellschaft Thüringens, JenaWohnen. Bei einem Wechsel nahm sich der Geschäftsführer, Stefan Wosche-Graf, glücklicherweise umgehend der Geschichte dieser Villa und damit der Rosenthals an. Er mobilisierte in Jena Kräfte und Gelder, so dass die Villa Rosenthal restauriert und renoviert werden konnte. Seit November 2009 steht sie allen offen.

Eduard Rosenthal - Bleistiftzeichnung, 30 x 35

Für die Eröffnungsausstellung wurde die Künstlerin Tamara Hasselblatt ausgewählt. Sie sah dies als Chance, den beiden Rosenthals künstlerisch ihren Platz zurück zu geben. Durch die Werke, die sich auf die Rosenthals beziehen, bringt die Künstlerin deren Geschichte in das Bewusstsein unserer Gesellschaft zurück. Wiedergutmachung wollte es Tamara Hasselblatt nicht nennen, das sei ein zu großes Wort, zudem sei sie nicht möglich. Doch zollt sie auf ihre Weise den Rosenthals den Respekt, der ihnen über Jahrzehnte so schändlich vorenthalten wurde.

So entstanden Portraits von Eduard und Clara Rosenthal, die heute im Eingangsbereich am Kamin in der Villa Rosenthal zu sehen sind. Es war reichlich schwierig und aufwändig, überhaupt und dann noch gutes Photomaterial zu bekommen. Zwei Photos von Eduard Rosenthal erhielt die Künstlerin schließlich dank intensiver Recherche und reizender Hilfe von verschiedenen Menschen im Großraum Jena. Die ausführliche Suche nach einem Portraitphoto von Clara Rosenthal fruchtete nicht. Die Nazis waren auch hier entsetzlich gründlich.

Neben den Portraits entstanden noch weitere Bilder zu diesem großen Themenkomplex. Es sind dies zwei Bilder, die inspiriert sind von der Rede des Buchenwald-Überlebenden Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel. Zum einen das großformatige Bild „Dunkelheit und Ewigkeit“, sowie der „Friedhof im Himmel“. In einem weiteren Acryl-Bild setzt sich die Künstlerin mit der letzten Lebensphase und dem Schicksal Clara Rosenthals auseinander. Es trägt den Titel „11. November 1941“ – der Tag an dem Clara Rosenthal sich das Leben nahm und so der Deportation entging.

Lebenswege, Übergänge, Begegnungen mit Ewigkeit ziehen sich seit vielen Jahren als roter Faden durch das Werk der Künstlerin. Ihre Beschäftigung mit den Rosenthals, mit Elie Wiesel und den Opfern des Naziregimes hat eine neue Klangfarbe in ihr Schaffen gebracht, die im Triptychon „Überall ist Ewigkeit“ (2009) zum Ausdruck kommt.

11. November 1941 - Acryl auf Leinwand, 55 x 70

Die Villa Rosenthal hat eine bemerkenswerte Geschichte: Mit ihren Erbauern und ersten Bewohnern Eduard und Clara Rosenthal, nach deren Ideen diese Villa erbaut worden ist, die sehr eigen aussieht ; mit dem Schicksal von Clara Rosenthal im dritten Reich; sowie mit dem Schicksal der Villa in den Jahrzehnten danach, als sie nicht ihrer Bestimmung gemäß genutzt wurde.

Ein weiterer Mosaikstein in der Geschichte ist die Restaurierung der Villa durch JenaWohnen – Dank sei dem Geschäftsführer Stefan Wosche-Graf, der sich dieses wichtigen Themas annahm.

Seit November 2009 ist das neue Kapitel der „Villa Rosenthal“ aufgeschlagen:

Sie ist kulturelle Veranstaltungs- und Begegnungsstätte, Tagungsort sowie Wohn- und Ausgangsstelle für zwei Stipendiaten im Bereich Kunst und Kultur.

Eduard Rosenthal

– sein Photo in der Universität war im Dritten Reich abgehängt worden. Das Photo des Dekans aus Nazizeiten hingegen hing durch DDR-Zeiten hindurch und wohl noch bis in die 90er Jahre! Keines hingegen von Eduard Rosenthal, was inzwischen glücklicherweise geändert wurde.
© Tamara Hasselblatt